Auditive Wahrnehmung
Die auditive Wahrnehmung ist die Fähigkeit akustische Reize aufzunehmen, zu strukturieren und in Zusammenhang mit früheren Erlebnissen zu interpretieren. Sie kann bis zum 20. Lebensjahr geschult werden.
Nicht nur der periphere Bereich, die Hörorgane müssen in Ordnung sein, auch die zentrale Verarbeitung von der Schnecke bis zum Gehirn müssen funktionieren.
Auditive Verarbeitungs- und/oder Wahrnehmungsstörungen liegen dann vor, wenn zentrale Prozesse des Hörens beeinträchtigt sind.
Diese Prozesse ermöglichen Zeit-, Frequenz- und Intensitätsanalyse akustischer Signale, die Verarbeitung binauraler Interaktionen (Geräuschlokalisation, Störgeräuschunterdrückung).
Auditive Verarbeitungsstörung entspricht der Hardware eines Computers, entsprechend einer Störung der Nervenfasern zwischen Hörnervenkern und primärer Hörrinde. Es kommt zu Veränderung von Höreindrücken insbesondere bei komplexen Schallsignalen - verzerrt, doppeltonig, oder nur unscharf.
Unauffälliges Tonaudiogramm, unauffälliges Ergebnis der Sprachaudiometrie.
Auditive Wahrnehmungsstörung entspricht einer Beeinträchtigung der Software oder einer Programmierungsstörung. Korrekt einlaufende AUDITIVE Informationen werden in den Hörzentren fehlerhaft ausgewertet. Sie werden unzureichend mit gleichzeitig einlaufenden Informationen aus andern Sinnessystemen verknüpft. Die Speicherfähigkeit ist ebenfalls oft beeinträchtigt.
9 Bereiche die für die auditive TLS von Bedeutung sind:
-
Auditive Differenzierung
Voneinander abweichende auditive Klanggestalten werden erkannt
Klang Geige/Trompete sind nicht gleich/nicht gleich
Geräusch Moped/Auto sind nicht gleich/nicht gleich
Phonem k/t m/n g/d sind nicht gleich/nicht gleich - Auditive Identifikation
Auditive Klanggestalten, Klänge, Geräusche, Phoneme können genau definiert
werden. Das ist ein „m" - Auditive Synthese
Verbinden von Einzellauten oder Lautverbindungen zu ganzen Wörtern
k - uh = Kuh - Auditives Ergänzen
Primärformation: fehlendes Phonem in einem Wort Scho - olade erkennen und
benennen - Auditive Aufmerksamkeit
Fähigkeit wichtiges von Unwichtigem zu trennen und das Wesentliche dauerhaft
zu fokussieren - Auditive Sequenzzierung
Merken verschiedener Einzellaute Geräusche, Silben, Zahlen oder Wörter in der
korrekten Reihenfolge - auditiv verbales Kurzzeitgedächtnis. - Auditive Merkfähigkeit
Auditive Merkfähigkeit von längeren Texten Reimen, Gedichten, Liedtexten -
Textgedächtnis - Auditive Analyse
Zerlegen von Wörtern in die jeweiligen Einzelsilben - Auditive Diskriminierung
Der Laut wird innerhalb eines Wortes gefunden und gegebenenfalls die Position
bestimmt: Esel, das ist „s" ist in der Mitte
Auffälligkeiten
Allgemein
- häufiges Nachfragen,
- inadäquate Reaktionen auf verbale Aufforderungen
- häufige Missverständnisse nach verbalen Aufforderungen,
- Unempfindlichkeit/Unaufmerksamkeit gegenüber Schallreizen,
- wenig Interesse und Ausdauer bei Vorgelesenem,
- Verwechslung ähnlich klingender Laute,
- Probleme beim Auswendiglernen von Versen, Gedichten,
- Merkfähigkeitsproblem
- wirkt oft ängstlich
im Verhalten:
- singt nicht mit, Schwierigkeiten beim Klatschen, lernt keine Sprüche, Reime,...
- Interesselosigkeit
- starke Kommunikationsprobleme mit Erwachsenen
- Zappelphilipp
- Kinder wirken ängstlich, reagieren manchmal verlangsamt
- unaufmerksames, unorganisiertes Verhalten
beim Schreiben
- artikuliert mit,
- stellt Wörter um,
- fügt Wörter dazu oder lässt sie aus
- Gedächtnisübungen gelingen gut
bei Diktaten
- gelingen nicht, da das Heraushören der einzelnen Phoneme aus dem Klangbild nicht gelingen
beim Freischreiben
- treten weniger Fehler als beim Abschreiben auf
Was kann ich dagegen tun?
- genaue Abklärung durch den Ohrenarzt,
- genaue Lautdiskriminierung im Unterricht
- Lateralität feststellen
- Inneres Lexikon erweitern durch visuelle Informationen
- Hörübungen
- Spiele