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Entwicklung des Lesens und Schreibens

1. Logographisches Lesen ( optisches Erkennen von Wörtern an gestalterischen Elementen)

Schulneulinge sind zunächst in einer Art Vorstadium des Lesens.
Sie erkennen bekannte Wörter, nutzen aber nur einen Teil der zur Verfügung stehenden Buchstaben Informationen, indem sie Wortanfänge und Wortlängen erst später auch Wortenden beachtet. Sie können daher noch nicht ähnlich aussehende Wörter genau unterscheiden und lesen z.B. Frucht statt Furcht. Sie merken nicht, dass sie sich verlesen haben.

2. Alphabetisches Lesen

Graphem-Informationen (Graphem = Buchstabe) werden in Verbindung mit der gesprochenen Sprache gebracht. Buchstaben werden bestimmten Sprachlauten zugeordnet.
Die Buchstaben werden sprech-sprachlich zu einem Wort verbunden. (Zusammenlauten, Laut lange aushalten bis der Nächste erlesen und damit gesprochen werden kann.) Wörter werden daher buchstaben- weise erlesen.
Durch das Aussprechen des gelesenen Wortes wird es erkannt und verwendet (=aktiver und passiver Wortschatz).
Der Sinn des Gelesenen kann jetzt bereits erfasst werden und die Kinder bessern sich selbst beim Lautlesen aus.

3. Orthographisches Lesen

Durch wiederholtes Lesen werden im Laufe der Zeit die besonderen Merkmale der einzelnen Wörter gefestigt, wie zum Beispiel die Rechtschreibregeln. Das Worterkennen erfolgt nun schneller und unbewusster. Die Aufmerksamkeit wird schließlich auf größere Worteinheiten (=Silben) gelenkt. Ein orthographisches Lexikon wird aufgebaut. In diesem inneren Lexikon werden Buchstabenfolgen und die Aussprache von Wörtern, ganze Wortstämme, Gemeinsamkeiten von Gruppen ,.... gespeichert.

Der Leselernprozess gliedert sich also in 3 Phasen, die aber stark übergreifend angewendet werden. Am Übergang von einer Phase zur anderen kommt es zunächst zu Verunsicherungen, insgesamt wird aber der Lesevorgang deutlich beschleunigt.

Während am Anfang des Leselernens die Ausbildung von Lesefertigkeiten steht, ermöglicht die Sinnerwartung während des Leseaktes dem Kind, sein Vorwissen bez. Allgemeinwissen und seine sprachlichen Fähigkeiten einzusetzen, wodurch die Entschlüsselung des gesamten Textes erleichtert wird. So werden ein Erkennen und Verstehen beim Lesen und ein Informationsgewinn möglich. Es kommt zu einer Lesekompetenz, was eben ein sicheres Umgehen mit Wörtern und Texten voraussetzt.


Um das Gelesene auch wirklich zu verstehen bedarf es:

  • eines gewissen Wortschatzes mit dem Wissen um die Bedeutung dieser Wörter
  • der Fähigkeit, den Zusammenhang des Textes, um einzelne Wörter zu entschlüsseln
  • der Information verschiedene Sätze in einem Zusammenhang zu bringen
  • der Möglichkeit Vorwissen einfließen zulassen
  • der Fähigkeit zwischen den Zeilen lesen zu können

Erst wenn das Kind merkt, dass es einen Nutzen, wie Wissenserwerb oder Entspannung, aus dem Lesen ziehen kann, wird es Freude an dieser Tätigkeit erlangen.

 

Ähnlich verhält es sich bei der Entwicklung des Schreibens.

Das ortograpfische Lexikon ist die Vorraussetzung für das spätere Rechtschreiben.

In der logographischen Phase
stehen Konsonanten oft für eine entsprechende Silbe z.B. Tr für Tier
hervorstechende Merkmale werden in Schrift umgesetzt.

in der alphabetischen Phase (Schuleintritt) schreiben die Kinder lautgetreu z.B. fata statt Vater.
Wörter die sie nun öfter schreiben, gleichen sie jetzt der richtigen Schreibweise an, wodurch sich das orthographische Lexikon aufbaut.
Im Gegensatz zum Lesen dauert dieser Prozess viel länger an. Am Ende der zweiten Schulstufe soll das Kind jedoch alle Schreibstrategien beherrschen und parallel anwenden.
Am Ende der dritten Schulstufe sollen sie dann schon den Wortzusammenhang immer stärker berücksichtigen - das heißt die Groß- und Kleinschreibung, die Wortendungen werden immer besser beherrscht.

Jetzt erst erfolgt die Verbesserung der schriftlichen Ausdrucksfähigkeit.

Voraussetzung dafür ist wieder die Rechtschreib-Fertigkeit und das Verständnis für gelesene Texte.

Um sich schriftlich ausdrücken zu können, ist es notwendig:

  • das Wesentliche einer „Geschichte" zu erkennen und mitzuteilen,
  • deren Logik zu erfassen,
  • den Text entsprechend zu gestalten und
  • Zusammenhänge zu verstehen und darzustellen. 

Kinder lernen im Laufe ihrer Entwicklung:

  • Sätze nicht mehr nur aneinander zu reihen, sondern
  • sie eignen sich verschiedene Stilmittel an, um Briefe, Nacherzählungen, Berichte und so weiter schreiben zu können.

Dazu müssen sie:

  • vorausplanen,
  • sich in den Leser des Textes hineindenken,
  • Informationen prägnant ausdrücken,
  • den Text einleiten und damit das Interesse dafür wecken sowie
  • einen zusammenfassenden Schluss schreiben.
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